Warum Geschichten so wichtig sind für Kinder

1. Dezember 2017 | Rubrik: Rund ums Kind

Warum Geschichten so wichtig sind für Kinder

 

Eine aktuelle Studie der Stiftung Lesen zeigt: Kinder lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird. Gut so, denn Vorlesen fördert laut Bildungsexperten die intellektuelle und soziale Entwicklung von Kindern. Also, liebe Eltern: ran ans Buch!

 

Vorlesen – ab welchem Alter?

„Bilderbücher mit Reimen oder Liedertexten kann man sich schon mit Kindern ab etwa sechs Monaten anschauen“, weiß Sandra Lehmann, seit über 20 Jahren als Expertin im Kinder- und Jugendbuchbereich tätig. Einer der bekanntesten Klatschreime ist „Backe, backe Kuchen“, der für den Nachwuchs gar nicht oft genug wiederholt werden kann. „Das Singen oder Aufsagen der Verse in Verbindung mit kleinen Spielen finden die Kleinen toll und so lernen sie: Bücher machen Spaß!“, so Lehmann. Das gilt auch für Bilderbücher mit Geräuschen oder solche, in denen sich Figuren bewegen lassen. Und wer mit Büchern aufwächst, wird auch in späteren Jahren gerne lesen.

 

So viel wie möglich erzählen

Das Buch den Kleinen einfach vorhalten oder hinlegen reicht natürlich nicht. Mama, Papa oder Großeltern sollten dazu so viel wie möglich erzählen. „Schon im ersten Lebensjahr können Sie Ihr Kind gar nicht genug mit Sprache verwöhnen“, heißt es auf Kindergesundheit-info.de, ein Online-Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Denn: Sprechen ist ein langer Lernprozess. Wie erfolgreich er abläuft hängt davon ab, was wir hören. Je mehr Worte und je differenzierter die Inhalte, umso größer wird der Wortschatz des Kindes.

Doch nicht nur das: Vorlesen ist eine wichtige Voraussetzung für die Fähigkeit zum Lesen. Und wer gut lesen kann, ist in der Lage, Zusammenhänge schneller zu begreifen. Forscher fanden heraus, dass beim Lesen ständig Synapsen – sozusagen die Schaltzentralen – im Gehirn neu verknüpft werden. Das bedeutet, das Gehirn wird leistungsfähiger. Studien belegen außerdem, dass Kinder, denen vorgelesen wurde, leichter lernen als andere Kinder, besser Probleme lösen können und auch sozialer im Umgang mit anderen Menschen sind. Warum? Weil sie beim Lesen und Hören von Geschichten Erfahrungen sammeln. Denn unser Gehirn macht kaum einen Unterschied, ob wir selbst bei einem Ereignis dabei waren oder nur darüber gelesen haben. Wir fühlen auch beim Lesen die Freude oder die Angst.

 

Anreiz für vorleseunlustige Eltern

Apropós Emotionen: „Weil es so gemütlich ist“ gefällt Kindern am Vorlesen am besten, ergab die Vorlesestudie 2016, dicht gefolgt auf Platz Vier von „Dass sich Mama oder Papa Zeit für mich nehmen“. Schlagende Argumente und Anreiz für Eltern, denen Vorlesen vielleicht keinen Spaß macht. Zusammen kuscheln und lesen schafft Nähe und Zärtlichkeit – und wer wünscht sich das nicht mit seinem Sprössling? Vorlesen sollte aber keine Pflichtübung sein. „Kinder merken, wenn die Erwachsenen keine Lust haben und dann macht es ihnen auch keinen Spaß“, so Sandra Lehmann. Ihre Tipps:

 

  • Ein Buch aussuchen, dass Eltern und Nachwuchs gleichermaßen gefällt – oder einfach eine gut bekannte Geschichte oder ein Märchen erzählen.
  • Eltern sollten eine Atmosphäre schaffen, in der sie sich selbst auch wohlfühlen und zur Ruhe kommen können. Wenn es tagsüber nicht klappt, dann vielleicht abends, als Ritual vor dem Schlafengehen.
  • Bevor gar nicht vorgelesen wird, Oma, Opa oder jemand anderes fürs Vorlesen einspannen.
  • Hörbücher erweitern den Sprachschatz ebenfalls, beflügeln die Fantasie und sind somit eine Alternative zum Vorlesen und Lesen. Aber: Wenn sie das Kind alleine hört, hat es keine Gelegenheit, Fragen zu stellen oder über den Inhalt zu sprechen – ein wichtiger Aspekt des Vorlesens.

 

Die Wichtigkeit des Vorlesens verlagert sich meist erst mit Beginn der Pubertät – auch wenn Kinder spätestens mit Eintritt in die Grundschule schon lernen, eigenständig zu lesen. Im ersten Jahr sollten Eltern dies begleiten und fleißig mit ihrem Nachwuchs üben. Denn: Lesen lernen ist ein anstrengender Prozess. Ab der zweiten Klasse können die Kinder dann in der Regel schon mal alleine ein altersgerechtes Buch lesen. Dazu sollten sich Eltern am besten in einer Buchhandlung vor Ort beraten lassen.

 

Vorsicht: Schlafräuber

Jede Menge Lesestoff gibt es auch für digitale Medien, doch Vorsicht: Abends im Bett mit Laptop oder Smartphone lesen kann zu Schlafstörungen führen. Schuld daran ist das blaue Licht, das diese Medien ausstrahlen. Es sorgt dafür, dass der Körper weniger Melatonin produziert, ein Hormon, das bei einsetzender Dunkelheit ausgeschüttet wird und uns müde macht. Mit Apps wie f.lux kann das blaue Licht reduziert werden. Auch einige E-Books verwenden mittlerweile einen Blaulicht-Filter.

Digitale Medien haben jedoch noch einen anderen Effekt: „Das Leseverhalten hat sich verändert“, sagt Sandra Lehmann. Durch die Informationsflut und die daraus entstandene Angewohnheit, Texte aus Zeitgründen nur noch zu „scannen“, also grob zu überfliegen, hätten Kinder und Jugendliche verlernt, konzentriert bei einem Text zu bleiben. „Kinder- und Jugendliteratur wird deshalb heutzutage mit Comics oder Bildern durchsetzt“, so die Expertin.

Wie sich das langfristig gesehen auf die Entwicklung unseres Gehirns auswirken wird, wird sich zeigen.

 

Linktipps:

www.stiftunglesen.de

www.kindergesundheit-info.de > Suchbegriff: Geschichten vorlesen

www.lesestart.de

 

(SF)

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